Seit Januar 2010 ist die Installation von Intelligenten Stromzählern (auch als Smart Meter bekannt) vorgeschrieben, beim Neubau wie auch bei der Renovierung. Diese müssen „dem jeweiligen Anschlussnutzer den tatsächlichen Energieverbrauch und die tatsächliche Nutzungszeit widerspiegeln“ (§21b EnWG). Das Energiewirtschaftsgesetz liefert demnach keine sehr konkreten Mindestanforderungen, die die intelligenten Stromzähler erfüllen müssen. Diesen Job hat die Bundesnetzagentur übernommen, und Mindestanforderungen definiert. Dazu gehört die Anzeige des Energieverbrauchs des letzten Tages/Woche/Monat, und die elektronische Auslesbarkeit der Daten.
Mindestanforderungen an intelligente Stromzähler, die den Möglichkeiten der modernen Technik nicht wirklich gerecht werden. Und es darf in Frage gestellt werden, ob sie mit diesen Grundfunktionen auch tatsächlich geeignet sind, um Strom zu sparen. Es ist zu erwarten, dass die Betreiber der Messstellen (in der Regel sind dies auch die Netzbetreiber) in erster Linie intelligente Stromzähler mit diesen Mindestanforderungen einbauen. Sicherlich wird es auch Geräte mit erweiterten Funktionen geben, doch diese werden mit einem Aufpreis verbunden sein, und der Großteil der Verbraucher wird wohl kaum bereit sein, dafür Geld auszugeben. So ist das Potential dieser Technik bei weitem nicht ausgeschöpft – eine weitergreifende gesetzliche Regelung hätte hier positive Auswirkungen gehabt. Aber wohl auch mehr Kosten für die Netzbetreiber / Energiewirtschaft verursacht – der einzige nachvollziehbare Grund, warum die Gesetzgebung hier so defensiv vorgegangen ist.
Intelligente Stromzähler sind nur der Anfang
Das Energiewirtschaftsgesetz besagt auch, dass ab dem Jahre 2011 alle Stromanbieter wenigstens einen Tarif anbieten müssen, der „einen Anreiz zu Energieeinsparung oder Steuerung des Energieverbrauchs setzt“ (§40 EnWG). Darunter sind wohl vor allem Stromtarife (und auch Gastarife) gemeint, die tageszeitabhängige Verbrauchspreise beinhalten. Die Betreiber von Nachtspeicherheizungen kennen dieses Prinzip bereits: Der günstigere Nachtstrom wird genutzt, um günstig Wärme zu produzieren. In der Praxis sieht es dann beispielsweise so aus: Zwischen 22 Uhr und 5 Uhr gibt es Strom zu einem vergünstigten Preis, den Rest des Tages zum Normalpreis. So kann es sich lohnen, nachts bestimmte Geräte mit einem intensiven Stromverbrauch zu aktivieren – beispielsweise Wäschetrockner, Spülmaschine etc.
Vorteile für beide Seiten: Stromkunde und Stromanbieter
Für Stromkunden sollten intelligente Stromzähler gleich zwei Vorteile mit sich bringen. Zum einen können Sie durch den verminderten Strompreis ihren Strombedarf so steuern, dass sie Geld sparen. Zum anderen haben sie einen Einblick in ihren tatsächlichen Strombedarf – wie viel Strom sie pro Tag verbrauchen. Ein Grund, warum viele Stromkunden sind nicht wirklich um ihre Energiekosten und den Stromverbrauch kümmern ist sicherlich, dass sie nur einmal jährlich damit konfrontiert werden – wenn die Stromrechnung ins Haus flattert. Der Intelligente Stromzähler rückt den Stromverbrauch also auch vielleicht ein bisschen mehr ins Bewusstsein der Verbraucher.
Stromanbieter und Netzbetreiber können die Auslastung mit Hilfe der intelligenten Stromzähler besser koordinieren. Gerade in den Nachtstunden ist der Stromverbrauch gering, und das Nutzungsverhalten der Stromkunden kann durch Intelligente Stromzähler und spezielle Stromtarife so geändert werden, dass die Auslastung der Stromnetze optimiert werden kann.
Der Vorreiter: Yello Strom
Das Prinzip gibt es bereits seit einiger Zeit: Von Yello Strom, der Strommarke des Energiekonzerns EnBW. Durchgesetzt hat sich dieses Angebot auf breiter Masse jedoch noch nicht, denn die Strompreise (auch für den billigeren Nachtstrom) und die Installationskosten für den intelligenten Stromzähler sind nicht gerade die günstigsten. Wenn der Wettbewerb in diesem Segment jedoch dank gesetzlicher Regelungen steigt, so darf man gespannt sein, wie sich dies auf diese speziellen Stromtarife auswirken wird. Und ob man tatsächlich Strom und Energiekosten einsparen kann.
Jetzt auf Intelligente Stromzähler umrüsten?
Die passenden Stromtarife zu den intelligenten Stromzähler kommen erst bundesweit in 2011, und dann wird auch das Vergleichen der Angebote mit dem Stromrechner mehr passende Angebote hervorbringen – und es wird ersichtlich, ob diese speziellen Tarife auch tatsächlich zu einer Reduzierung der Stromkostenrechnung führen werden. Wer jetzt baut oder renoviert, der bekommt automatisch solch einen Stromzähler vom Messstellenbetreiber „verpasst“. Doch der Markt für die intelligenten Stromzähler steckt noch in den Kinderschuhen, die Unternehmen entwickeln Geräte. Nicht nur die Stromversorger, sondern auch andere Firmen haben angekündigt, in diesen Markt einzusteigen – beispielsweise die Telekom. Dabei geht es mehr als nur darum, mit dem Smart Meter den Stromverbrauch anzuzeigen. Vielmehr geht es um die Smart Grids, die Steuerung des Stromverbrauchs. In dieser Technik steckt viel Potential, und daher sollte man erst einmal abwarten, wie sich dies weiter entwickelt und ob ein intelligenter Stromzähler auch tatsächlich die Hoffnungen erfüllen kann.