Viele Tonnen Wasser werden für die Kühlung der havarierten Reaktoren im AKW Fukushima II benötigt – täglich. Und eben dies ist ein Problem, denn der Betreiber Tepco weiss wohl so langsam nicht mehr wohin mit diesem Wasser. Und will es in den Pazifik ableiten. Radioaktiv belastetes Wasser, wohlbemerkt. Zwar beteuert Tepco dass die Radioaktivität unter den Grenzwerten liegt – doch das Vertrauen hält sich in Grenzen, und die Angst vor den Folgen ist groß.
Die Zahlen scheinen unvorstellbar groß zu sein: 200 bis 500 Tonnen Grundwasser fließen täglich in die beschädigten Reaktoren 1-3 im AKW Fukushima II. Das radioaktiv hoch belastete Wasser wird teilweise dekontaminiert, jedoch kann das krebserregende Strontium nicht von der Anlage herausgefiltert werden. Tanks auf dem Gelände mit einem Fassungsvolumen von 160.000 Tonnen sind zwangsläufig irgendwann voll. Voraussichtlich im März, so Tepco. Und der Pazifik ist groß, liegt praktischerweise auch direkt vor der Haustüre, also warum das belastete Wasser nicht einfach einleiten? Nun, die Fischer beispielsweise sind von dieser Lösung nicht gerade begeistert. Und generell dürfte sich ein Einleiten von radioaktivem Wasser durchaus auf das Konsumverhalten auswirken – wer möchte schon Fisch essen der gestern noch in radioaktivem Wasser geschwommen ist?
Die Idee, kontaminiertes Wasser in den Pazifik einzuleiten, ist nicht neu. Tepco hat dies bereits in der Vergangenheit praktiziert um Platz zu schaffen. Doch nicht nur absichtlich eingeleitetes radioaktives Wasser hat seinen Weg in den Ozean gefunden. Auch radioaktive Partikel, die beim Regen in den Pazifik gespült wurden sowie aus Versehen entwichenes, hochbelastetes Wasser kennen den Weg ins Meer. Hier sickert es, dort fließt es in Tonnen.
So stellt sich die Frage: wo ist die Grenze? Ab wann ist es nicht mehr unbedenklich, oder wurde diese Grenze vielleicht bereits überschritten? Was wissen wir über mittel- und langfristige Folgen, für die ökologischen Systeme im Pazifik? Wie wir alle wissen bleibt die Radioaktivität selbst über hunderte Jahre erhalten. Und mag der Pazifik auch noch so groß sein: niemand kann mit 100%iger Sicherheit sagen dass diese Entsorgungsmethoden keine Auswirkungen haben werden.
Tepco begründet dieses Vorhaben auch damit, dass man nicht ständig neue Tanks aufstellen könne um das radioaktiv belastete Wasser zu lagern. Warum nicht? Ist das denn nicht eine reine Kostenfrage? Und stehen bei einer anhaltenden Einleitung nicht nur die Existenzen der Fischer, die Gesundheit der Menschen und das ökologische System nicht vielleicht doch auf dem Spiel? Was geschehen kann wenn belastende Lebensmittel auftauchen hat jüngst der Reis gezeigt: die Bauern einer ganzen Region bleiben nun auf ihrer Jahresernte sitzen, ihre Existenz ist nun mehr als bedroht.
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